Zeugnis in 5 Schritten entschl√ľsseln

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Robert Lassen
26. November 2020

Viele Recruiter und Personalentscheider messen dem Arbeitszeugnis eine immer geringere Bedeutung zu. Das liegt nicht zuletzt an der inflation√§ren Vergabe von guten und sehr guten Noten. Mehr dazu in diesem Beitrag: So vergeben Sie die richtigen Noten im Zeugnis. Das Arbeitszeugnis hat h√§ufig einfach keine Aussagekraft mehr. Wir sind dennoch der Meinung, dass sich aus Arbeitszeugnissen wichtige Erkenntnisse gewinnen lassen und sich so unter Umst√§nden Fehleinstellungen verhindern lassen. Da aus Zeitgr√ľnden nicht jedes Zeugnis einer Bewerbung bis auf das kleinste Detail gepr√ľft werden kann, haben wir die f√ľnf wichtigsten Merkmale zusammengefasst. So k√∂nnen Sie Zeugnisse in kurzer Zeit analysieren.

1. Beendigungsgrund und -zeitpunkt

Aus dem Beendigungsgrund kann man einiges herauslesen. Teilweise kommt es aber auf kleine Details an. Einige interessante Formulierungen haben wir zusammengetragen.

Fristgerechte K√ľndigung seitens Arbeitgeber personen- / verhaltensbedingt
Das Arbeitsverhältnis mit Herrn Mustermann endet am 31.12.2020.

Fristgerechte K√ľndigung seitens Arbeitnehmer, AG h√§tte auch gek√ľndigt
Das Arbeitsverhältnis wird auf Wunsch von Herrn Mustermann zum 31.12.2020 gelöst.

Aufhebungsvertrag auf Veranlassung Arbeitgeber personen- / verhaltensbedingt
Das Arbeitsverhältnis mit Herrn Mustermann endet durch einvernehmliche Trennung am 31.12.2020.

Dar√ľber hinaus kann auch der Beendigungszeitpunkt einen Aufschluss geben. Wenn es sich um ein "krummes" Datum handelt und kein Hinweis auf eine arbeitnehmerseitige K√ľndigung zu finden ist, wurde das Arbeitsverh√§ltnis entweder in der Probezeit oder fristlos beendet.

2. Zusammenfassende Leistungsbeurteilung und Verhalten

Die Zusammenfassende Leistungsbeurteilung ist der Durchschnitt aller Bewertungskriterien (Fachwissen, Bereitschaft, Arbeitsweise usw.). Damit gewinnt man keine 100-prozentige Sicherheit √ľber die tats√§chliche Benotung des gesamten Zeugnisses, aber sie gibt einen Anhaltspunkt und ist auch am einfachsten zu entschl√ľsseln.

So lesen Sie die Note ab:

  • Note 1 stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Note 1-2 zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Note 2 stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Note 3 zu unserer vollen Zufriedenheit (stets zu unserer Zufriedenheit)
  • Note 4 zu unserer Zufriedenheit
  • Note 5 im Gro√üen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit

Neben der Leistung sollten Sie sich auch die Verhaltensbeurteilung anschauen. Wenn diese Note besser oder sogar sehr viel besser als die Leistungsbeurteilung ist, heißt das: War eine nette Person, aber die Leistung konnte nicht mithalten. Umgekehrt könnte es bedeuten, dass die Leistung gut war, aber er oder sie im Umgang schwierig war. Im Optimalfall passen Leistung und Verhalten zusammen.

So lesen Sie die Note beim Kriterium Verhalten ab:

  • Note 1 stets vorbildlich
  • Note 2 stets einwandfrei
  • Note 3 einwandfrei
  • Note 4 korrekt / es gab keinen Anlass zu Beanstandungen
  • Note 5 uns ist nichts nachteiliges bekannt geworden

Bei der Note 1 sollten Sie auch darauf achten, dass Beispiele zu besonderen Leistungen, herausragende Erfolge oder die Mitarbeit in Projekten genannt ist.

3. Schlussformel

Die Schlussformel beinhaltet im Optimalfall ein Bedauern, ein Dank und Zukunftsw√ľnsche. Fehlt eines dieser Merkmale, ist das ein Indiz f√ľr m√∂gliche Probleme. Auch wenn der Arbeitnehmer laut Rechtsprechung keinen Anspruch auf eine solche Schlussformel hat, ist sie in der Praxis √ľblich.

Ein guter Schlusssatz mit der Note gut könnte so aussehen:
Wir danken ihm f√ľr seine stets guten Leistungen und bedauern sein Ausscheiden sehr. F√ľr seinen weiteren Berufs- und Lebensweg w√ľnschen wir ihm alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

4. Plausibilität

Wichtig ist auch, dass die Dauer der Besch√§ftigung und der Beendigungsgrund mit der Benotung √ľbereinstimmen. Ein sehr gutes Zeugnis, auf welchem nur die schlichte Beendigungsformel "endet zum Tag XY" oder "endet im gegenseitigen Einvernehmen", genannt ist, wirft Fragen auf. Hier kann der Verdacht entstehen, dass es sich um ein Gef√§lligkeitszeugnis ("wenn Sie gegen die K√ľndigung nicht klagen, bekommen Sie ein sehr gutes Zeugnis") oder um ein vor Gericht erstrittenes Zeugnis handelt.

5. Vollständigkeit der Bewerbungsunterlagen

Neben den einzelnen Zeugnissen ist die Vollst√§ndigkeit und die √úbereinstimmung mit dem Lebenslauf wichtig. Im besten Fall liegen einer Bewerbung zumindest die Zeugnisse der letzten 10 bis 15 Jahre l√ľckenlos vor. Fehlt ein Zeugnis, k√∂nnte entweder der Inhalt nicht vorteilhaft sein, oder das Zeugnis nicht existieren. Auch das spricht nicht f√ľr ein gutes Besch√§ftigungsverh√§ltnis.

Auch sollten die Zeugnisse aller Arbeitgeber möglichst ein einheitliches Bild ergeben. Wenn es große Schwankungen gibt, vielleicht auch immer mit kurzen Beschäftigungszeiten, könnten einige der Zeugnisse zu gut ausgestellt worden sein.

Tipps zum Schluss

Sie sollten Zeugnisse nicht √ľberbewerten, da nicht jeder Zeugnisaussteller auch der Zeugnissprache m√§chtig ist. So entstehen aus Unwissenheit viel zu gute, zu schlechte oder unvorteilhafte Zeugnisse. Sie sollten die Zeugnisse einer Bewerbung aber auch nicht v√∂llig links liegen lassen. Wenn ein Zeugnis Fragen aufwirft, aber der Lebenslauf und auch der Kandidat sonst einen guten Eindruck vermitteln, sprechen Sie den Bewerber doch einfach darauf an. Eventuell gibt es eine ganz logische Erkl√§rung.

Damit Sie immer formal korrekte, aussagekräftige und gut lesbare Zeugnisse an Ihre ehemaligen Arbeitnehmer herausgeben, empfehlen wir den Einsatz eines Zeugnisgenerators. Diese Generatoren haben den Ruf, nur Standardzeugnisse zu erzeugen, die wenig individuell sind. Wenn Sie wirklich aussagekräftige und damit wertschätzende Zeugnisse an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgeben möchten, probieren Sie den Flowmium Zeugnisgenerator aus. Damit erstellen Sie schnell, einfach und doch individuelle Zeugnisse.

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