Drei weitere Zeugnistechniken erklärt

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Robert Lassen
9. März 2021

Um die Schulnoten in einen Text zu verschl√ľsseln, haben sich √ľber die Jahrzehnte mehrere Techniken etabliert. Dabei sind Verschl√ľsselungstechniken nicht mit den verbotenen Geheimcodes zu verwechseln. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie die Positivskala-, Ausweich- und Einschr√§nkungstechnik erkennen und anwenden k√∂nnen.

1. Positivskalatechnik

Die Positivskalatechnik ist die bekannteste Technik. Diese besagt, dass bei allen Noten, auch bei schlechten, eine Zufriedenheit ausgedr√ľckt wird. So hei√üt es zum Beispiel bei einer Note 4 noch: "Die ihm √ľbertragenen Aufgaben erledigte Herr Mustermann zu unserer Zufriedenheit.‚Äú. In der Umgangssprache w√ľrde man bei einer Note 4 nie von Zufriedenheit sprechen.

Um die Notenabstufung zu erreichen, gibt es f√ľr jede Note eine definierte Kombination aus der zeitlichen Komponente (stets, immer, usw.) und einem gesteigerten Adjektiv (vollsten, sehr gut, usw.).

  • Note 1: stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Note 2: stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Note 3: zu unserer vollen Zufriedenheit (stets zu unserer Zufriedenheit)
  • Note 4: zu unserer Zufriedenheit
  • Note 5: im Gro√üen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit

An der zusammenfassenden Leistungsbeurteilung ist das Schema am einfachsten zu zeigen, es trifft aber im Prinzip auf alle Beurteilungskriterien zu.

2. Ausweichtechnik

Bei der Ausweichtechnik werden wichtige Aussagen durch weniger wichtige oder selbstverständliche Aussagen ersetzt. Es ist allerdings immer darauf zu achten, in welchem Kontext der Satz steht.

Bei einem Au√üendienstmitarbeiter kommt es stark auf den Umsatz an und evtl. die Steigerung dessen. Wenn in dem Zeugnis nun nichts √ľber den Umsatz vermerkt ist, aber gleichzeitig das gepflegte Auftreten gelobt wird, ist die Gewichtung im Gesamten falsch. Das l√§sst darauf schlie√üen, dass er kein guter Vertriebler war. Aber Achtung: Wenn alle wichtigen Eigenschaften genannt werden, ist es durchaus in Ordnung und nicht nachteilig auszulegen, wenn ein besonders gepflegtes Auftreten gelobt wird.

Bei der Erw√§hnung der Eigenschaft ‚ÄěP√ľnktlichkeit‚Äú kommt es darauf an, f√ľr welche Besch√§ftigungsgruppe ein Zeugnis geschrieben wurde. Bei einem Arbeitnehmer und erst recht bei einem leitenden Angestellten ist P√ľnktlichkeit selbstverst√§ndlich und muss bzw. sollte deshalb nicht explizit erw√§hnt werden. Bei einen Ausbildungszeugnis ist die Erw√§hnung durchaus in Ordnung und nicht nachteilig auszulegen.

3. Einschränkungstechnik

Bei der Einschränkungstechnik werden Aussagen zeitlich oder räumlich eingeschränkt.

Zum Beispiel: Herr Mustermann gilt im Verband als Fachmann“. Der Mitarbeiter wird zwar als Fachmann beschrieben, allerdings wird eingeschränkt, dass er das nur im Verband ist und eben nicht im Unternehmen.

Eine andere h√§ufige Einschr√§nkung ist: ‚ÄěDie Problemstellungen seines Arbeitsgebietes bearbeitete er selbstst√§ndig und sorgf√§ltig.‚Äú. Hier ist die Einschr√§nkung: ‚Äěseines Aufgabengebietes‚Äú.

Zu erkennen ist die Technik h√§ufig auch an W√∂rtern wie: "in der Regel", "im Gro√üen und Ganzen", oder "weitestgehend". Diese Aussagen sind mit der Note 5 zu √ľbersetzen.

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