Was gehört nicht in ein Arbeitszeugnis

Mareike Kaufmann
11. Juli 2024
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Die Zeugnissprache kann verwirrend und viele Dinge k√∂nnen nicht auf den ersten Blick verst√§ndlich sein. H√§ufig verstecken sich hinter vielen Formulierungen Botschaften, die von zuk√ľnftigen Arbeitgebenden genaustens gelesen werden. Allerdings gibt es einige Dinge, die unter keinen Umst√§nden in einem Arbeitszeugnis erw√§hnt werden sollten, damit die Arbeitssuche f√ľr ehemalige Arbeitnehmende nicht unn√∂tig erschwert wird. Aus diesem Grund muss ein Arbeitszeugnis beispielsweise auch grunds√§tzlich positiv formuliert werden.

Da es dennoch manchmal Unklarheiten gibt, ob bestimmte Informationen, die eventuell sogar positiv vonseiten der Arbeitgebenden gemeint sind, wirklich in einem Arbeitszeugnis stehen d√ľrfen, folgt nun ein √úberblick √ľber die Themen, die man in einem Zeugnis vermeiden sollte.

Inhalt:

  1. Alkohol- und Drogenkonsumverhalten
  2. Elternzeit und krankheitsbedingte Fehlzeiten
  3. Schwerbehinderungen
  4. Details aus dem Privatleben
  5. Betriebsrat und Gewerkschaften
  6. K√ľndigungsgr√ľnde oder Straftaten
  7. Zusammenfassung

Alkohol- und Drogenkonsumverhalten

Grunds√§tzlich gilt bei allen Themen, die nicht einen unmittelbaren Einfluss auf die Aus√ľbung der beruflichen T√§tigkeiten der Arbeitnehmenden haben, dass diese nicht in einem Arbeitszeugnis vorkommen sollten. Genauso verh√§lt es sich auch mit dem Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Wenn dies nicht ein expliziter K√ľndigungsgrund war, dadurch keine Gef√§hrdung f√ľr Mitmenschen entstanden ist oder die Aus√ľbung aller in dem Beruf anfallenden Aufgaben nicht mehr m√∂glich war, darf nichts √ľber das Konsumverhalten der Arbeitnehmenden in das Arbeitszeugnis aufgenommen werden.

Elternzeit und krankheitsbedingte Fehlzeiten

Sofern die tats√§chliche Arbeitszeit und die Zeit, die in Elternzeit verbracht wurde, nicht allzu nah beieinander liegen, darf diese auch nicht im Arbeitszeugnis erw√§hnt werden. Eine Ausnahme w√§re zum Beispiel, wenn eine Person f√ľr 12 Monate in Elternzeit war, ihren eigentlichen Beruf jedoch nur 3 Monate lang ausgef√ľhrt hat. In einem solchen Fall darf dazu etwas in einem Arbeitszeugnis vermerkt werden. √Ąhnlich verh√§lt es sich mit den krankheitsbedingten Fehlzeiten. Generell geh√∂ren keine Anmerkungen oder Kommentare zum Gesundheitszustand der Mitarbeitenden in ein Arbeitszeugnis. Sollte eine Person jedoch ungef√§hr die H√§lfte der Dauer des Arbeitsverh√§ltnisses krankheitsbedingt ausgefallen sein, darf eine Anmerkung diesbez√ľglich vorgenommen werden. In der Praxis ist dies jedoch trotzdem un√ľblich.

Schwerbehinderungen

Es ist nicht die Pflicht der ehemaligen Arbeitgebenden, auf eine Schwerbehinderung einer angestellten Person in einem Arbeitszeugnis zu verweisen. Zuk√ľnftige potentielle Arbeitgebende m√ľssen dies selbst bei den Arbeitsuchenden erfragen. Allerdings darf eine m√∂gliche Schwerbehinderung mit in ein Zeugnis aufgenommen werden, wenn die betroffene Person dies ausdr√ľcklich genehmigt. Auch hier gilt jedoch, dass es sich lediglich um eine positive Bemerkung handeln darf, zum Beispiel, dass die angestellte Person trotz der Schwerbehinderung alle Aufgaben uneingeschr√§nkt ausf√ľhren konnte.

Details aus dem Privatleben

Da in einem Arbeitszeugnis lediglich f√ľr die Arbeit relevante Themen angesprochen werden sollten, sind Details aus dem Privatleben der Mitarbeitenden nicht in einem Zeugnis zu erw√§hnen. Dinge, wie eine Partei- oder Religionszugeh√∂rigkeit, tragen in keinster Weise dazu bei, dass sich zuk√ľnftige Arbeitgebende ein Bild von der Arbeitsleistung potentieller Arbeitnehmender machen k√∂nnen, weshalb sie an keiner Stelle erw√§hnt werden d√ľrfen.

Betriebsrat und Gewerkschaften

Die Zugeh√∂rigkeit und Mitarbeit im Betriebsrat und in Gewerkschaften darf nur auf den ausdr√ľcklichen Wunsch der entsprechenden Mitarbeitenden im Arbeitszeugnis erw√§hnt werden. Liegt dieser Wunsch nicht vor, darf sich nichts der Art in einem Zeugnis finden lassen. Sofern ein Betriebsratsmitglied √ľber einen langen Zeitraum f√ľr diese T√§tigkeit freigestellt war, ist eine Erw√§hnung wiederum zul√§ssig.

Fristlose K√ľndigung und Straftaten

Eine fristlose K√ľndigung seitens der Arbeitgebenden darf nicht explizit im Zeugnis erw√§hnt werden, sondern kann lediglich durch ein krummes Austrittsdatum angedeutet werden. Straftaten hingegen d√ľrfen nur dann in einem Arbeitszeugnis erw√§hnt werden, wenn diese unmittelbar im Zusammenhang mit dem Arbeitsverh√§ltnis stehen. Wenn beispielsweise ein Diebstahl am Arbeitsplatz vorgefallen ist, der den Betrieb massiv eingeschr√§nkt hat und die Straftat gerichtlich nachgewiesen wurde, darf dies Erw√§hnung finden. In der Praxis ist eine Erw√§hnung trotzdem un√ľblich.

Zusammenfassung

Zeugnissprache kann manchmal kompliziert wirken. Einige Dinge werden durch sie lediglich angedeutet, allerdings gibt es klare Regeln, wenn es darum geht, was in einem Zeugnis erw√§hnt werden darf und was nicht. Generell gilt, dass Themen, die nicht relevant f√ľr das beschriebene Arbeitsverh√§ltnis sind, keinen Platz in einem Arbeitszeugnis finden d√ľrfen. Dazu z√§hlen beispielsweise Details und Informationen aus dem Privatleben der Arbeitnehmenden oder Krankheiten und Behinderungen. Grunds√§tzlich muss bei der Ausstellung von Arbeitszeugnissen darauf geachtet werden, dass diese positiv formuliert sind, um den ehemaligen Mitarbeitenden die Suche nach einem neuen Job nicht unn√∂tig zu erschweren.

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