Gendern in Arbeitszeugnissen

Mareike Kaufmann
06. Juni 2024
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Das Gendern ist generell noch keine Pflicht in Arbeitszeugnissen, allerdings sagt die Verwendung von gendergerechter Sprache sehr viel ĂŒber die Arbeitgebenden aus. Es handelt sich dabei vor allem also auch um ein reprĂ€sentatives Mittel fĂŒr Arbeitgebende. Die Verwendung der gendergerechten Sprache kann Auswirkung auf das gesamte Unternehmensbild haben, wenn es um die Bewertung der DiversitĂ€t, Inklusion und Gleichstellung innerhalb eines Unternehmens geht. Das Gendern ist nach wie vor jedoch stark umstritten, weshalb sich unbedingt mit den verschiedenen Formen sowie den Vor- und Nachteilen des Genderns beschĂ€ftigt werden sollte.

Inhalt:

  1. Welche Auswirkung hat es, wenn keine gendergerechte Sprache verwendet wird?
  2. Welche Gegenargumente gegen das Gendern gibt es?
  3. Welche Möglichkeiten der genderneutralen Sprache gibt es?
  4. Worauf muss ein Unternehmen bei der Verwendung genderneutraler Sprache achten?
  5. Zusammenfassung

Welche Auswirkungen hat es, wenn keine gendergerechte Sprache verwendet wird?

Mittlerweile existieren tatsĂ€chlich einige Studien und Experimente, die sich mit den Auswirkungen der gendergerechten Sprache befassen. So zeigt ein Experiment der UniversitĂ€t WĂŒrzburg zum Beispiel, dass bei der Verwendung des generischen Maskulinums, also der ausschließlichen Nennung der mĂ€nnlichen Formen, wie Arzt, Chef oder Personalleiter, bestehende unterschiedliche Behandlungen der Geschlechter noch verstĂ€rkt werden. Das zeigt sich vor allem dabei, dass sich beispielsweise bei Stellenanzeigen, die das generische Maskulinum verwenden, hauptsĂ€chlich MĂ€nner bewerben. Die Chancenungleichheit der Geschlechter wird bei der Verwendung des generischen Maskulinums also deutlich verstĂ€rkt, da so vornehmlich mĂ€nnliche VerknĂŒpfungen entstehen.

Welche Gegenargumente gegen das Gendern gibt es?

Die Gegenargumente die immer wieder bei den Diskussionen zur gendergerechten Sprache angebracht werden, drehen sich hauptsÀchlich um die Verkomplizierung der Sprache. Da es keine einheitlichen Regelungen zur Verwendung von gendergerechter Sprache gibt, kommt es hÀufig zu Unsicherheiten und Fehlern bei dem Versuch, die Sprache inklusiver zu gestalten. Aus diesem Grund ist die Umsetzbarkeit und auch die Notwendigkeit der genderneutralen Sprache immer wieder im Zentrum der Diskussionen.

Welche Möglichkeiten der genderneutralen Sprache gibt es?

Wenn sich ein Unternehmen nun dafĂŒr entscheidet, Arbeitszeugnisse oder auch die externe und interne Kommunikation, genderneutral zu gestalten, bieten sich verschiedene Möglichkeiten, dies umzusetzen. Es ist auch möglich, mehrere Formen miteinander zu mischen, allerdings muss unbedingt auf die grammatikalisch korrekte Verwendung geachtet werden.

Zum einen gibt es die Doppelnennung der mÀnnlichen und weiblichen Form, wie bei "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter". Dabei muss jedoch beachtet werden, dass das dritte Geschlecht dabei nicht mitgemeint ist, welches jedoch seit 2017 in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts anerkannt ist.

Inklusiver ist dann das Binnen-I, wie bei "MitarbeiterInnen", oder die Schreibweisen mit einem SchrĂ€gstrich, Unterstrich oder Sternchen ("Mitarbeiter/innen, Mitarbeiter_innen, Mitarbeiter*innen"). Wie bereits erwĂ€hnt, schließen diese Formen der gendergerechten Sprache alle Geschlechter mit ein, jedoch ist diese Form grammatikalisch etwas komplizierter. Besondere Vorsicht ist geboten, da Formulierungen wie "Expert*innen" nicht zulĂ€ssig sind, weil die mĂ€nnliche Form hierbei unvollstĂ€ndig wĂ€re.

Auch neutrale Formulierungen sind ein gÀngiges Mittel, um die Zeugnissprache genderneutral zu gestalten. Zu solchen neutralen Formulierungen gehört zum Beispiel die "Personalleitung" statt dem "Personalleiter" oder auch Formulierungen, die die Mehrzahl verwenden. Dazu zÀhlt beispielsweise "die Mitarbeitenden". Auch Kollektivbezeichnungen sind denkbar, in denen zum Beispiel von "der Kundschaft", statt "dem Kunden" gesprochen wird.

Worauf muss ein Unternehmen bei der Verwendung genderneutraler Sprache achten?

Ein Unternehmen muss sich einige Fragen stellen, wenn es um die Umstellung auf eine gendergerechte Sprache geht. Im Vordergrund sollte zunĂ€chst das Image des Unternehmens stehen. Wie soll sich nach außen hin prĂ€sentiert werden? Welche Zielgruppe soll in der Kundschaft angesprochen werden, welche Gruppe von Arbeitnehmenden soll angeworben werden?

Auch auf die Einheitlichkeit sollte geachtet werden. Wie prÀsentiert sich das Unternehmen sonst? Wird auch auf der Website oder in Stellenanzeigen gegendert? Wie verhÀlt es sich mit dem internen und externen Schriftverkehr? Insgesamt sollte eine Einheitlichkeit der Sprache geschaffen werden, damit keine Verwirrungen aufkommen.

Zum Schluss sollte darauf geachtet werden, ob das Gendern innerhalb der Arbeitszeugnisse die Lesbarkeit und die VerstĂ€ndlichkeit des Zeugnisses einschrĂ€nkt oder ob der gĂ€ngige Umfang eines Arbeitszeugnisses durch das Gendern erheblich ĂŒberschritten wird. Wenn sich im Endeffekt fĂŒr das Gendern entschieden wird, sollte immer im Hinterkopf behalten werden, dass die gendergerechte Sprache nach wie vor recht fehleranfĂ€llig ist unbedingt verstĂ€rkt auf das Vermeiden grammatikalischer Fehler geachtet werden sollte.

Zusammenfassung

Derzeit gibt es noch keine klaren Regelungen, ob in Arbeitszeugnissen gegendert werden muss oder nicht. Trotz der zunĂ€chst zahlreichen und kompliziert wirkenden Möglichkeiten lohnt sich dennoch ein ernster Blick auf dieses Thema, da das Bewusstsein fĂŒr DiversitĂ€t, Inklusion und Gleichstellung vor allem bei jĂŒngeren Arbeitnehmenden immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich ein Unternehmen durch eine gendergerechte Sprache modern und offen prĂ€sentieren kann. Dies erlĂ€utern wir ebenfalls in dem dazugehörigen Blogartikel. Allerdings sollte bei traditioneller gefĂŒhrten Unternehmen eher auf eine Doppelnennung gesetzt werden, um komplizierte Formulierungen mit Sternchen oder SchrĂ€gstrich zu vermeiden, und dennoch eine gewisse InklusivitĂ€t in der Sprache zu erzeugen. Die Arbeitszeugnisse sollten jedoch unbedingt an die ĂŒbliche Kommunikation im Unternehmen angepasst werden, damit sowohl die externe als auch interne Kommunikation einheitlich ablĂ€uft. Trotzdem kann eine Umstellung auf gendergerechte Sprache zunĂ€chst ĂŒberfordernd wirken, weshalb ein Blick in unseren Flowmium Zeugnisgenerator von Vorteil ist. Dort kann aus verschiedenen genderneutralen Formulierungen und auch Zeugnisformulierungen speziell fĂŒr das dritte Geschlecht ausgewĂ€hlt werden.

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